Beratungskonzept

1. Allgemeine Ziele und Aufgaben 

Schulen müssen sich heutzutage auf ein sich veränderndes gesellschaftliches Umfeld und damit auch auf sich verändernde Schülerpersönlichkeiten einstellen. Die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems führte zu einer heterogenen Schülerschaft. Migrationsbewegungen verstärken diesen Effekt. Vor diesem Hintergrund, aber auch aufgrund von gewandelten Familienstrukturen und fortschreitender Digitalisierung sind Kinder und Jugendliche heute vielen Einflüssen ausgesetzt, die es ihnen oft erschweren, sich an die Anforderungen von Schule anzupassen. Schulen übernehmen heutzutage immer mehr Erziehungsaufgaben und somit auch einen großen Teil der Aufgabe, ihre Schüler1 auf das Leben vorzubereiten und sie in ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Hierzu gehören u.a. die Stärkung und Förderung sozialer Kompetenzen sowie die Entwicklung von organisatorischen und strategischen Fertigkeiten oder Problemlösestrategien. 

1 Der folgende Text meint Frauen und Männer gleichermaßen, aufgrund der besseren Lesbarkeit wird die männliche Form verwendet. 

Beratung und Unterstützung wird einerseits bei allen Problemen benötigt, die sich aus dem 

Schulalltag ergeben oder diesen beeinflussen können. Andererseits muss es aber auch Hilfs- und Interventionsmöglichkeiten bei Schwierigkeiten geben, die sich außerschulisch ergeben, aber auf unsere Schüler wirken und somit in den Schulalltag getragen werden. 

Das Beratungsangebot richtet sich über alle Schüler hinaus auch an Erziehungsberechtigte, Lehrer sowie pädagogische Mitarbeiter. Dieser gesamte Personenkreis soll an unserer Schule auf ein unkompliziertes, transparentes und erreichbares Beratungssystem zurückgreifen können, um bei Problemen angemessene Lösungen zu finden. 

Grundsätzlich nehmen alle Lehrer der Schule im Allertal, die Schulleitung, die Koordinatoren, die Beratungslehrkräfte, die Sozialpädagogen und teilweise auch die pädagogischen Mitarbeiter Beratungsaufgaben wahr und verstehen sich als Teil des Beratungsnetzwerkes an unserer Schule. Aus diesem Grund wird im Beratungskonzept eine Unterscheidung zwischen der Beratung des Beratungsteams und der Unterstützung, bzw. Begleitung im schulischen Kontext vorgenommen. 

Wichtig für den Beratungserfolg ist eine funktionierende Beziehung zwischen dem Ratsuchenden und dem Berater. Trotz vorhandener Zuständigkeitsbereiche, welche im Folgenden noch erläutert werden, wenden Ratsuchende sich an eine Person ihres Vertrauens. Diese Person kann dann ggf. an weitere Beratungsangebote verweisen. 

Jeder Ratsuchende wird als lösungskompetent angesehen. Beratung ist somit als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen und verfolgt das Ziel, Ratsuchende aktiv am Problemlöseprozess zu beteiligen. 

Beratungsanlässe könnten beispielsweise sein: 

• Probleme im familiären Umfeld und in der persönlichen Entwicklung 

• Probleme im Umgang mit anderen Menschen in der Schule 

• Konfliktmoderation 

• Krisenintervention 

• Probleme mit dem Lernen 

• Motivationsschwierigkeiten 

• Schulabsentismus 

• Vermittlung und Begleitung in außerschulische Beratungsstellen 

• Fragen der Schullaufbahn und der Berufsfindung 

2. Das Beratungsteam 

Das Beratungsteam setzt sich zusammen aus den Schulsozialpädagogen und Beratungslehrern der 

Schule im Allertal. Alle Personen unserer Schule können in Problemfragen die Hilfe sämtlicher Mitglieder des Beratungsteams in Anspruch nehmen. Hierbei richtet sich die Wahl des anzusprechenden Beraters nach Sympathie und Vertrauen. Was den Bereich der Beratung betrifft, vertreten sowohl Schulsozialpädagogen als auch Beratungslehrer die Grundhaltung der 

Eigenverantwortlichkeit des Ratsuchenden. Sie sehen sich als Prozessbegleiter, die gemeinsam mit dem Ratsuchenden ergebnisoffen agieren. Da in das Aufgabenfeld der Schulsozialpädagogen neben der Schulsozialarbeit noch weitere Aufgaben fallen (vgl. Konzept der Schulsozialarbeit), kann sie aufgrund ihrer Netzwerkarbeit auch noch konkretere Hilfestellung sein, welche von außen auf den Problemfall einwirken kann. Sie handelt systemischer und richtet den Blick stärker in andere aktivierbare Instanzen. 

Die Zusammenarbeit des Beratungsteams soll kollaborativ erfolgen und die beiden Bereiche 

Schulsozialarbeit und Beratungslehrertätigkeit sind konkurrenzfreie, ineinandergreifende Systeme. Das bedeutet, dass das Beratungsteam sich als Gruppe versteht, deren Mitglieder gleichrangig verantwortungsvoll zusammenarbeiten. Hierbei werden die unterschiedlichen Ausbildungen für die gemeinsame Arbeit mit dem Ziel einer qualitativ hochwertigen Beratertätigkeit genutzt (vgl. Punkt 2.4). 

2.1 Grundsätze der Beratungsarbeit im Beratungsteam 

Wie schon unter Punkt 1 erläutert stellt Beratung ein prozess- und lösungsorientiertes Unterstützungsangebot dar. Die Beratungsarbeit basiert auf vier Grundsätzen: 

• Freiwilligkeit 

• Vertraulichkeit 

• funktioneller Unabhängigkeit 

• Beachtung geltender Verantwortungsstrukturen 

Sucht jemand das Beratungsgespräch, so wird das Ziel verfolgt eine Veränderung einer aktuellen, problematischen Situation zu bewirken. Diese Veränderung kann nur erfolgen, wenn der Ratsuchende auch als Ratsuchender fungiert und in seiner Person ein Veränderungsbedürfnis vorhanden ist. In Absprache mit dem Beratungsteam kann es nützlich erscheinen, einen Schüler zu einem Beratungsgespräch zu schicken. Hier wird in Ausnahmefällen das Angebot zu einem Gespräch gemacht, um an dieser Stelle mit dem Schüler ein Problembewusstsein zu erarbeiten. Am Ende des ersten Gespräches entscheidet der Schüler selber, ob er das freiwillige Angebot weiterhin nutzen möchte. 

Jedem Ratsuchenden wird garantiert, dass im Beratungsgespräch Besprochenes der

Verschwiegenheit unterliegt. Hiervon sind die Fälle ausgenommen, bei denen entweder Straftaten oder eine Gefährdung des Kindeswohls anzunehmen sind. Sollte in anderen Fällen die Notwendigkeit zur Weitergabe der besprochenen Inhalte notwendig sein, so unterzeichnet der Ratsuchende ein Formular, das den Berater von der Schweigepflicht entbindet. 

Weiterhin wird dem Ratsuchenden garantiert, dass die Inhalte des Beratungsgesprächs keinen 

Einfluss auf eine zukünftige Zusammenarbeit auf anderer Ebene haben. Im Speziellen ist das für 

Schüler von Bedeutung, die das Beratungsangebot der Beratungslehrer nutzen. Zudem handelt der Berater eigenständig, also ohne Weisung und in eigener Verantwortung. Hierbei beachtet er, dass es Schwierigkeiten geben kann, die in den Aufgabenbereich anderer Personen fallen. Solche Zuständigkeiten werden respektiert. 

2.2 Beratungsschwerpunkte 

Das Beratungsteam kann sowohl zur Einzelfallberatung als auch zu Problemen mit Gruppen tätig werden. Im Folgenden werden einige Beispiele aufgelistet, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. 

2.2.1 Einzelfallberatung 

Einzelfallberatung heißt, dass ein Ratsuchender ein Problem hat, welches er einem Berater vorträgt. Das können 

• einzelne Schüler mit schulischen oder persönlichen Problemen, 

• Erziehungsberechtigte mit Erziehungsfragen oder Problemen mit schulischem Kontext oder 

• Lehrkräfte oder pädagogische Mitarbeiter mit Problemen im schulischem Kontext sein. 

2.2.2 Beratung in Gruppen 

Beratungsangebote dieses Bereiches orientieren sich am Bedarf der jeweiligen Gruppen. Hierbei geht es beispielsweise um Konfliktberatung in Klassen oder um Mobbing. 

2.3 Organisatorisches zum Beratungsgespräch 

Eine Beratung kann sowohl während der Unterrichtszeit als auch danach stattfinden. Hierzu werden mit dem Berater Termine abgesprochen, welche in die jeweiligen Sprechstunden gelegt werden können. Alternativ können auch andere Vereinbarungen getroffen werden. Der Ratsuchende meldet sich ggf. eigenständig bei der betreffenden Lehrkraft ab, welche dem Ratsuchenden das Gespräch ermöglicht, sofern keine anderen dringenden unterrichtlichen Gründe dem entgegenstehen. Der Berater bescheinigt dem Ratsuchenden, dass dieser einen Termin wahrgenommen hat. Diese Bescheinigung legt der Ratsuchende der betreffenden Lehrkraft im Nachhinein vor. Werden weitere Termine vereinbart, so sollte nach Möglichkeit darauf geachtet werden, dass die Gespräche nicht stetig zur selben Zeit stattfinden. Die Beratungen finden i.d.R. in den Räumen des jeweiligen Beraters statt. 

2.4 Organisation des Beratungsteams 

Die Mitglieder des Beratungsteams setzen sich regelmäßig zusammen. In diesen Sitzungen wird stets die gemeinsame Arbeit evaluiert und kontinuierlich abgestimmt. Bei Fragen oder Schwierigkeiten findet hier auch eine Besprechung anonymisierter Fälle statt. 5/7 

Die Berater des Beratungsteams fertigen eigenständig eine anonymisierte Dokumentation von Beratungsgesprächen an, um diese vor- bzw. nachzubereiten und verbindliche Absprachen zuzusichern. Selbstverständlich wird die Dokumentation vertraulich behandelt. 

Das Beratungsteam nutzt ein einheitliches Formular zur Schweigepflichtsentbindung, sofern diese für die Zusammenarbeit mit externen Netzwerken notwendig erscheint. 

3. Unterstützung und Begleitung im schulischen Kontext 

Wie unter Punkt 1 erläutert findet Beratung an der Schule im Allertal innerhalb eines 

Beratungsnetzwerkes statt. Das Beratungsteam arbeitet innerhalb dieses Netzwerkes mit einem besonderen Auftrag und unter den oben erläuterten Bedingungen und Vereinbarungen. Diese gelten nicht immer für die unten aufgeführten Beratungsinstanzen. Das Beispiel eines 

Klassenlehrers, der ein Elterngespräch führt und im Nachgang ein Erziehungsmittel wählt, zeigt, dass das Grundprinzip der Freiwilligkeit an dieser Stelle nicht gilt. 

3.1 Weitere beratende Personen 

Über das Beratungsteam hinausgehend nehmen viele weitere Personen und Personenkreise Beratungsaufgaben an unserer Schule wahr. 

3.1.1 Klassenlehrkräfte 

Die Klassenlehrkraft ist die Hauptbezugsperson von Schülern und damit ihre erste Ansprechperson bei schulorganisatorischen und verwaltungstechnischen Fragestellungen. Sie trifft Entscheidungen zum Classroom Management und trifft ggf. die Wahl geeigneter Erziehungsmittel. Weiterhin ist sie zumeist auch die erste Ansprechperson für Sorgeberechtigte. 

3.1.2 Fachlehrkräfte 

Der Fachlehrer ist vorrangig verantwortlich für die Beratung bei fachspezifischen Fragestellungen. Hierzu zählen z.B. inhaltliche Themen oder Aspekte der Leistungsbewertung. 

3.1.3 Lehrkräfte mit besonderen Funktionsaufgaben 

Zu den Lehrkräften mit besonderen Funktionsaufgaben zählen z.B. 

• die Schulleitungsmitglieder 

• die didaktische Leitung 

• die Fachleiter und 

• die jeweiligen Zweig- und Jahrgangskoordinatoren. 

Sie alle sind im Sinne ihrer Stellenbeschreibung verantwortlich für Beratungen, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. 

3.1.4 Inklusionsteam 

Die Förderschullehrer des Inklusionsteams beraten vorrangig ihre Kollegen und Kolleginnen hinsichtlich 

• der Einleitung eines Verfahrens zur Überprüfung auf einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf 

• der Erstellung von Gutachten im Rahmen eines Verfahrens zur Überprüfung auf einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf 

• der Erstellung von Förderplänen 

• der Kontaktaufnahme zu Mobilen Diensten 

• der Formulierung von Zeugnisbemerkungen für zieldifferent unterrichtete Schülerinnen und Schüler 

• der Gewährung von Nachteilsausgleichen 

• der Umsetzung von Differenzierungsmaßnahmen 

• der Auswahl von geeignetem Unterrichtsmaterial und Unterrichtsmethoden für 

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf 

3.1.5 SV-Lehrkraft 

Die SV-Lehrkraft unterstützt die Schüler der Schülervertretung (SV) bei der Weiterentwicklung der 

Schülervertretungsarbeit und deren Beteiligungsstrukturen. Sie ist Bindeglied zwischen den Schülern sowie den Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern. Weiterhin ist sie Anlaufpunkt für alle Belange der SV an unserer Schule. 

3.1.6 Schüler- und Elternvertretungen 

Schüler sind die Hauptpersonen in der Schule. Sie sind an der Gestaltung der Lernprozesse und 

Lernumgebung beteiligt. Dies ist eigentlich selbstverständlich und basiert auf den 

Beteiligungsrechten aus dem Niedersächsischen Schulgesetz, z.B. § 80 NSchG – Mitwirkung in der Schule. 

Durch ihre Vertreter wirken die Schüler in den Konferenzen und Ausschüssen der Schule mit. Die 

Mitglieder in den Schulausschüssen der Gemeinden und Landkreise entsenden die Gemeinde- und 

Kreisschülerräte. Durch den Landesschülerrat wirkt die Schülerschaft in allen wichtigen allgemeinen Angelegenheiten des Schulwesens mit, soweit die Belange der Schüler berührt werden. 

3.1.7 Pädagogische Mitarbeiter 

Pädagogische Mitarbeiter, die für erzieherische oder sozialpädagogische Tätigkeiten eingesetzt werden, führen im Rahmen des Ganztagsschulkonzeptes und der Rhythmisierung der Schule außerunterrichtliche Angebote durch. Im Rahmen ihres Aufgabenfeldes stellen sie eine besondere Schnittstelle zwischen dem privaten und dem schulischen Leben unserer Schüler dar und stehen ihnen hier auch unterstützend zur Seite. 

3.2 Besondere Angebote 

3.2.1 Berufsorientierung 

Der Beauftragte für Berufliche Orientierung kann entsprechend seiner Aufgabenbeschreibung laut Erlass bzgl. folgender Aufgaben beraten: 

• konzeptionelle Fragen zur Beruflichen Orientierung 

• Organisation der Betriebs- und Praxistage 

• Aufbau und Pflege der Kontakte zu außerschulischen Partnern, Jugendberufsagenturen, berufsbildenden Schulen und ggf. Hochschulen 

• Organisation des Kompetenzfeststellungsverfahrens 

• Fortbildungen zur Beruflichen Orientierung 

3.2.2 Präventionsangebote 

Die an unserer Schule stattfindenden Präventionsangebote sind in einem gesonderten Präventionsplan den einzelnen Jahrgangsstufen zugeordnet. Folgende Programme finden sich bisher darin wieder: 

• Absentismuskonzept 

• Sozialtrainings bei folgenden Kooperationspartnern: Gut Sunder, Jugendpflege, Smiley eV 

• Wir sind stark (Gewaltprävention) 

• Lions Quest 

• schuleigene Mobbingprävention 

4. Zusammenarbeit mit externen Netzwerken 

Um Schüler mit besonderen Problemen im schulischen Kontext angemessen beraten zu können, arbeiten an der Schule beteiligte Fachkräfte, externe Netzwerke, die betreffenden Schüler und ihre Eltern zusammen. Diese Zusammenarbeit verfolgt das Ziel parallellaufende Hilfsangebote situationsangemessen und zielorientiert zu koordinieren. Das erfolgt beispielsweise 

• in Form von Runden Tischen oder pädagogischen Konferenzen 

• in Zusammenarbeit mit MoBuS 

• in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt 

• mit Unterstützung der Schulpsychologen der Niedersächsischen Landesschulbehörde in Absprache mit Ärzten oder Therapeuten. 

5. Evaluation 

Das Beratungsteam setzt sich regelmäßig zusammen, um die eigene Arbeit gemeinsam zu reflektieren und Arbeitsschwerpunkte den aktuellen Geschehnissen anzupassen. Weiterhin soll die Qualität der Zusammenarbeit des Beratungsteams durch jährliche Supervisionen gesichert werden.