„Wir bauen das Ding völlig um“

Artikel aus der Celleschen Zeitung (31. August 2019)

Eltern und Lehrer sind dafür: Winser Oberschule führt dreigliedriges Schulsystem ein

Simon Ziegler

WINSEN. Die größte Oberschule im Kreis Celle stellt sich neu auf. „Wir bauen das Ding völlig um“, sagt Bodo Theel, Leiter der Winser Oberschule. Die „Schule im Allertal“ wird künftig unter dem Dach der Oberschule zurück zum dreigliedrigen Schulsystem wechseln. Das bedeutet, dass es künftig ab Klasse 5 einen Hauptschul-, einen Realschul- und einen Gymnasialzweig geben wird. Das neue System ähnelt dem einer Kooperativen Gesamtschule (KGS).

Bisher war es so, dass die Kinder in den Klassen 5 und 6 gemeinsam im Klassenverband beschult wurden. In Klasse 7 wurde dann je nach Stärken und Schwächen des einzelnen Schülers in Fachleistungskursen differenziert. Der eine saß zum Beispiel im gymnasialen Mathekurs und im Englischkurs auf Realschulniveau. Deutsch-Unterricht hatte er vielleicht im Hauptschulbereich. Ab Klasse 8 ging es dann für die Schüler in Hauptschul-, Realschul- oder Gymnasialzweig weiter.

Mit diesem komplexen System soll nun Schluss sein. Denn an der Schule wurde erkannt, dass das Fehlen eines echten Klassenverbandes bei vielen Schülern zu schwächeren Leistungen geführt habe. Mit anderen Worten: Sie waren vom Schulsystem überfordert. Das sei auch durch eine Tagung der Schulleiter bestätigt worden, sagt Theel. Fast alle Oberschulen mit gymnasialem Zweig in Niedersachsen hätten ähnliche Schwierigkeiten. „Nur zwei Schulen haben dieses Problem nicht. Und die haben keine Fachleistungsdifferenzierung.“

Die neuen Pläne seien an der Schule gut angekommen, heißt es. Die Lehrerschaft habe mit Dreiviertel-Mehrheit für die Umstellung votiert. Einstimmig sei der Elternrat dafür gewesen. Eine große Mehrheit gab es auch im Schulvorstand, so Theel. „Endlich ist es vorbei“, hätten einige Eltern auf das Ende des alten Systems reagiert. Die Umstellung soll voll ab dem 1. August 2020 für die neuen Fünftklässler greifen. Die Eltern entscheiden dann selbst, auf welchen Zweig sie ihre Kinder schicken. Die Fachleistungsdifferenzierung in Klasse 7 wurde bereits aufgehoben.

Abi in Winsen bleibt Wunschdenken

Theel will sich außerdem dafür einsetzen, dass die rot-schwarze Landesregierung in Hannover das Schulgesetz ändert, damit auch an Oberschulen das Abitur abgelegt werden kann. Im Moment ist das rechtlich nicht möglich. Fraglich ist allerdings schon heute, was die Neuaufstellung der Winser Oberschule für die Schülerströme bedeutet. Denn eine Frage steht im Raum: Warum sollten Winser Eltern ihre Kinder auf die neue HBG-Außenstelle nach Hambühren schicken, wenn es einen eigenen Gymnasialzweig an der Winser Oberschule gibt?

Unterdessen hat die Neuaufstellung der Oberschule auch die Winser Lokalpolitik erreicht. Die UWG hat den Antrag gestellt, dass der Gemeinderat eine Resolution verabschieden soll. Inhalt: In der Gemeinde müsse kein Gymnasium gebaut werden. Der gymnasiale Zweig an der Oberschule erfülle vollständig die Voraussetzungen, damit Schüler ihr Abitur an der Oberschule ablegen könnten.

Damit ist die UWG voll auf der Linie von Schulleiter Theel. Allerdings wird sich an der gesetzlichen Lage, die Oberschulen mit Oberstufen nicht vorsieht, so schnell wohl nichts ändern. Kein geringerer als Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat in einer E-Mail an Landrat Klaus Wiswe klargestellt, dass auch weiterhin an Oberschulen nur Schüler der Klassen 5 bis 10 beschult werden. Im Fall von Winsen bedeutet das: Wer Abitur machen will, muss ab Klasse 11 nach Celle wechseln.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann der UWG rät, ihren Antrag wieder zurückzuziehen: „Den Vorschlag ‚Oberstufe an Oberschule‘ finde ich gut. Es lässt sich aber nicht umsetzen. Deshalb setzen wir aufs Gymnasium. Der UWG-Antrag würde die Winser Position schwächen“, sagt der Verwaltungschef.